Da ich in einem Asylheim in der Schweiz gearbeitet habe und momentan in einem in Polen arbeite, kann ich ein paar Vergleiche ziehen.
Polen:
Wenn man morgens um 9.00 Uhr mit dem Auto durch das Gittertor fährt, landet man in einer verlassener Einöde. Links und rechts stehen zwei mehrstöckige, grosse Wohnblocks (wohl überbleibes des Kommunismus), hinter einem befindet sich das Gittertor sowie das Gebäude für den Empfang und die Büros. Neben dem linken Wohnblock ist ein kleines Einfamilienhäuschen mit Garten, nochmals extra eingezäumt (das Haus des Direktors). Ganz auf der anderen Seite des Geländes befindet sich der Speisesaal. All diese Gebäude sind umgeben von Bäumen, Sand, Pflastersteinen und einem zwei Meter hohen dunkelgrünem Zaun. Das Ganze hat knapp den Charme eines Gefängnisses.
Die grössten Unterschiede zur Schweiz?
1. Der ganze Boden ist mit Abfall überzogen. Man kann kaum einen sauberen Quadrarmeter finden im "Wald". Es läuft auch kein Mensch mehr zum nächsten Eimer, um den Abfall zu entsorgen, da es eh keinen Unterschied mehr macht.
2. Obwohl hier mehr Menschen leben als im Asylheim in der Schweiz, und obwohl es hier im Gegensatz zur Schweiz die Möglichkeit gibt draussen zu verweilen, ist der Hof meist menschenleer. Etwa ein bis zwei Kinder warten auf uns, damit wir mit ihnen spielen. Nach ca 30 Minuten schwirren jeweils 20 bis 40 Kinder um uns herum, vom Baby bis zu ca 16-Jährigen. Dazu kommt meist eine Mutter (verantwortlich für alle Kinder), manchmal ein paar Erwachsene mehr. Doch grundsätzlich schauen die ältere Geschwister zu den Kindern, und nicht die Eltern.
3. Es ist ein Gefängnis, und kein Asylheim. Dies nicht nur aufgrund des Zaunes, sondern auch wegen des permanenten Sicherheitsservices. Ein bis zwei Beamte spazieren regelmässig übers Gelände, ein weiterer Sitz beim Eingang und einer kontrolliert die Essensausgabe. Ausserdem ist das Gelände mit Kameras überwacht. Diese dienen jedoch (wie ich erfahren habe) meist dazu, um nachzuschauen welches Kind den Streit begonnen hat (sehr wichtig für die Eltern!).
4. Achtung, Sehr Hohes Aggressionspotential! Dass Kinder sich ab und zu gegenseitig hauen, kommt vor. Doch hier ist es anders. Es gibt zwei ca 15-jährige Mädchen, die einen riesen Fight austrugen. Die eine riss der anderen fast das Kopftuch herunter. Danach ging der Kampf im Haus von neuem los. Sobald die Kinder davon Wind bekamen, liessen sie die Spiele liegen und rannten ins Haus, um die Attraktion zu beobachten. Danach berichteten sie, die eine habe den Kopf der Anderen gegen die Wand geschlagen. Der Kapf sei jedoch nicht fertig, da noch keine aufgegeben hat. Es wird gekäpft bis zum Schluss. Die Kinder scheint das Ganze zu amüsieren (wahrscheinlich aus purer Langeweile).
Auch gewisse Eltern gehen relativ aggressiv mit den Kindern um (schreien und wüste Beschimpfungen.)
Auch gewisse Eltern gehen relativ aggressiv mit den Kindern um (schreien und wüste Beschimpfungen.)
5. Kulturelle Vielfalt fehlt. 90% der Asylsuchenden sind Tschetschenen, und fast alle sprechen russisch und sind Muslime. Somit sollte es keine kulturellen oder sprachlichen Konflikte geben. In der Schweiz waren ca gleich viele Syrier wie Eritreer, dazu noch Minderheiten an Sri Lankas, Afghanen, Vietnamesen und noch mehr Kulturen. Doch (in meinen Augen) hatten diese Menschen aus verschiedenen Kulturen ein friedliches, harmonisches Zusammenleben. Ich erinnere mich gerne zurück an die beiden Jungs aus Sri Lanka und Afgahnistan, die beste Freunde wurden. Oder an die beiden Mädchen aus Syrien und Sri Lanka (und ihre Familien), die auf dem selben Stock wohnten und troz Sprachbarrieren gut miteinander klar kommen.
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